euradiophoria n. 10 - 01/02/2002


  

Dirk Dooding

  

Wermarcht Museum

Nachdem die ursprüngliche Wehrmachtsausstellung im November 2000 aufgrund inhaltlicher Ungereimtheiten zurückgezogen wurde, begann das Hamburger Institut für Sozialforschung damit, die Ausstellung komplett zu überarbeiten und neu zugestalten. Mehr Text, weniger Bilder, eine kühle, nüchterne Ausstellung ist es nun, die die Rolle der deutschen Wehrmacht in Hitlers Vernichtungskrieg dokumentiert: Das Bild von der sauberen Wehrmacht, die sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, muss revidiert werden. Kein Wunder, dass das Rechtskonservativen und Neonazis nicht passt. So haben sich auch in Bielefeld über 1000 Anhänger von Freien Kameradschaften und rechtsextremen Parteien zur Demonstration angesagt. Allen voran die NPD, deren Verbotsverfahren eigentlich im Februar beginnen sollte, allerdings durch die sogenannte V-Mann-Affäre nicht zustande kam.
Doch nicht nur die Ultra-Rechten zeigen ihrer Abneigung gegenüber der Ausstellung, auch die Bielefelder Ratsmehrheit tut sich schwer damit. So verweigerte sie bereits im Vorfeld der Wehrmachtsausstellung jegliche Unterstützung. Oberbürgermeister David scheint dabei allerdings eine besondere Taktik zu verfolgen: Offiziell unterstützen will er die Ausstellung nicht, dennoch wird er als Redner auf der Abschlusskundgebung bei der Gegendemonstration zu hören sein. Viele werfen ihm deshalb Doppelmoral vor.
Die Wehrmachtsausstellung polarisiert. Viele möchten nicht, dass die ehemaligen Soldaten im zweiten Weltkrieg pauschal zu Verbrechern abgestempelt werden, andere sehen in der Ausstellung eine notwendige Aufklärung. Nicht nur SS und Gestapo waren die Exekutive im Dritten Reich, auch die Wehrmacht hat aktiv und passiv Schuld am Mord an unschuldigen Zivilisten.
Die Wehrmachtsausstellung möchte nach eigenen Aussagen dazu anregen, eine faire offene und kontroverse Debatte über die Rolle der Wehrmacht und über die Realitäten des Krieges zu führen. Sie möchte dem Dialog zwischen den Generationen dienen und das tolerante und friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft weiter entwickeln. Ein einfacher und honoriger Anspruch also, der einigen aber nicht so richtig zu passen scheint.

Aus Deutschland zum letzten Mal Dirk Döding und Fabio Magnifico.
Wir verabschieden uns und bedanken uns für die schöne Zeit und die gute Zusammenarbeit mit Euradiophoria. Auf wiederhören


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http://www.verbrechen-der-wehrmacht.de/

http://www.unikassel.de/fb10/frieden/themen/Bundeswehr/wehrmacht.html

http://www.wehrmachtsausstellung.de/