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Deutschland und die D-Mark scheinen wie ein altes
Ehepaar zu sein. Zusammen ist man durch dick und dünn gegangen
und hat sich im Laufe der Jahre immer inniger in einander verliebt.
Dieses Bild wurde in sentimentalen Werbespots bis zum bitteren Ende
hochgehalten, um den Deutschen einen gefühlsechten Abschied
von ihrem geliebten Geld zu bescheren. Und dann- Nichts. Keine Sentimentalität,
keine Wehmut, kein letzter Blick zurück. Gelassen und ohne
viel Nostalgie bezahlten sie mit der neuen Währung oder kramten
in ihren Portemonnaies nach den letzten Markstücken aus der
vergangenen Ära.
Die neuen Geldscheine und Münzen wurden neugierig untersucht
und auf ihre Fälschungssicherheit überprüft. Die
ersten Reaktionen waren vielfältig: "Sieht ja aus wie
Spielgeld", "ganz schön klein, die Scheine"
oder gar "sieht aus wie eine Konzertkarte" waren typische
Kommentare zum Aussehen des Euros.
Natürlich ist das Gefühl für das neue Geld noch nicht
so richtig da. Man kommt sich noch so vor, als würde man im
Urlaub zahlen. Alle Preise, die in Euro angegeben sind, werden grob
mit 2 multipliziert, damit man den D-Mark-Betrag erhält und
ungefähr abschätzen kann, ob etwas teurer geworden ist
oder nicht. Der Einzelhandel zeigt sich dabei sehr großzügig.
Viele locken mit verbilligten Preisen und Schnäppchen, wenn
man mit Euro zahlt, andere gewähren Rabatt, wenn man mit Kreditkarte
zahlt. So z.B. der Textilriese C & A. Er lockte seine Kunden
mit 20 Prozent Ermäßigung, wenn man auf die Euro-Barzahlung
verzichtet. Diese Aktion wurde allerdings umgehend gerichtlich verboten.
Für die Banken bedeutet die Umstellung immer noch viel Arbeit.
Sie müssen noch bis Ende Februar D-Mark in Euro umtauschen,
Geldautomaten und den Handel mit Euro-Noten versorgen und die damit
verbundenen Engpässe überbrücken. Viel Nostalgie
ist auch hier nicht verbreitet: als letztes Andenken an die gute
alte Mark kann man dort eine Tüte Scheine erhalten: 50 Tausend
D-Mark in kleinen handlichen Konfetti-Schnipseln.
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